1.2 Fragen und Antworten

1.2.1 Welche Firmen lassen in welchen Ländern billig produzieren?



Firma/Firmenlogo

 

Produktionsländer

H&M

 

Bangladesch, Kambodscha, Türkei, China, Bulgarien, Indonesien, Rumänien

C&A

 

Bangladesch, China, Indien, Kambodscha, Türkei

KiK

 

Bangladesch, China

adidas

 

Brasilien, China, Japan, Vietnam

puma

 

China, Indonesien, Vietnam, Türkei

LACOSTE

 

 

Frankreich, Peru, China, Marokko

MANGO

 

Bangladesch, China, Indien, Korea, Marokko, Spanien, Türkei, Vietnam


Besonders auffällig ist das Firmen, die ihre Kleidung zu höheren Preisen verkaufen, oft in den gleichen Ländern produzieren lassen, wie solche Firmen, die nur wenig Geld dafür verlangen.

An der Aufschrift in den T-Shirts kann man sich außerdem nicht wirklich orientieren, denn selbst wenn „made in Germany“ darauf geschrieben steht, kann es sein, dass nur das Preisschild in Deutschland angenäht wurde und der Rest in anderen Ländern gefertigt wurde.


    1.2.2 Welche Bedeutung hat die Kleiderproduktion für die Herstelländer?

Diese Frage erklären wir am Beispiel eines der größten Herstellungsländer: Bangladesch. Daran lässt sich die Bedeutung der Textilindustrie für Produktionsländer gut verdeutlichen.

Die Textilindustrie ist von hoher Bedeutung für das Land Bangladesch und ein entscheidender Wirtschaftsfaktor. Mit über 160 Mio. Einwohnern ist Bangladesch ein sehr dicht besiedeltes Land und kann sich nicht ausschließlich auf die Landwirtschaft berufen. Auch kulturell gab es seit dem 18. Jh. zahlreiche Entwicklungen in der Branche der Weberei. Heute sind ein Achtel der gesamten Bevölkerung von der Textilindustrie abhängig. 80% der vielen Textilarbeiter sind Frauen. Bangladesch gilt nach China als zweitgrößter Textilproduzent der Welt. Die EU ist der wohl größte Handelspartner, da dorthin ein großer Teil der in Bangladesch produzierten Kleidungsstücke exportiert werden.
Somit kann man sagen, dass die Textilindustrie für Länder wie Bangladesch eine entscheidende Rolle spielt und vielen Menschen Arbeit gibt. Allerdings wird Kritik daran geübt, dass die Arbeitsbedingungen der Näherinnen gegen Menschenrechet verstoßen.

           1.2.3 Welche Arbeitsbedingungen bestehen in Produktionsfabriken?

Es gibt ziemlich große Unterschiede in den Produktionsfabriken in Asien. Ungefähr  die Hälfte der Fabriken arbeiten offiziell für westliche Firmen, diese werden regelmäßig überprüft und haben dementsprechend auch hohe Standarts. Doch die andere Hälfte wird von niemandem kontrolliert, das sind Zulieferer für die guten Firmen und dort herrschen natürlich sehr schlechte Bedingungen.

Probleme dabei sind vorallem:

- Die Fabriken sind in schmalen, sehr hohen Häusern untergebracht àEinsturzgefahr

-Es gibt keine KlimaanlagenàTemperatur oft 40°C, hohe Luftfeuchtigkeit

- Mindestlohn liegt bei 30 Euro im Monatàdas reicht nicht zum Leben à ArbeiterInnen machen Überstunden ( arbeiten dann teilweise 12-16 Stunden oder auch noch mehr) um mehr Geld zu verdienen                                                                                                                                                                    

ABER: Manchmal bezahlen die Fabrikbesitzer die Überstunden nicht einmal, trotzdem müssen die NäherInnen die ganze Nacht durcharbeiten, da sonst die Kleidung nicht zum Fertigungstermin verfügbar ist. àDruck der Fabrikbesitzer

- Die Fenster sind oft vergittert oder die Notausgänge versperrt àSicherheitsmängel

- In den Sachen sind giftige Chemikalienà es kommt oft zu Ohnmachtsanfällen bei den Arbeitern


   1.2.4 Wie setzt sich der Verkaufspreis für ein Kleidungsstück zusammen?

Bevor ein Kleidungstück fertig ist und in Deutschland auf den Ladentisch kommt, hat es schon eine weite Reise hinter sich. Zu aller erst muss die Baumwolle angepflanzt und verarbeitet werden. Das geschieht auf riesigen Baumwollplantagen in Amerika. Für ein T-Shirt wird ca. 400g Baumwolle benötigt, was 40ct kostet. In dem Preis ist sogar schon die Schiffsfahrt nach Asien inbegriffen. In Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, wird das T-Shirt nun in einer von über 3000 Textilfabriken produziert. Da Bangladesch zu den ärmsten Ländern der Welt gehört beträgt der Arbeitslohn pro T-Shirt 3-5ct, umgerechnet bedeutet das, dass die Näher und Näherrinnen 12-18ct pro Stunde, also 1,18€ am Tag oder 36€ im Monat bekommen.

 

Der Transport nach Deutschland kostet 2100€ pro Container und da in einen Container 3400 Stück hinein passen, macht das insgesamt 6ct für ein T-Shirt.

 

Wenn das Kleidungsstück nach drei Wochen in Deutschland ankommt sind bereits 1,40€ bezahlt worden. Verkauft wird T-Shirt schließlich für 4,95€.

 

Abzüglich der MwSt. erhält die Verkaufsfirma somit 2,76€ von denen noch einmal etwas mehr als 2€ abgehen für Filialmiete, den Transport innerhalb Deutschlands, den Gehältern der Verkäufer und Verkäuferinnen, den Katalogen und für die Werbung.

 

Der Gewinn eines T-Shirts beträgt für die Verkaufsfirma also etwa 60ct.

 

Die generelle Preiszusammensetzung in Prozent:

 

01% = Lohnkosten

11% = Transportkosten und Gebühren für Zölle und Steuern

13% = Materialkosten

25% = Markenwerbung (Entwicklung, Design, Forschung)

50% =  Gewinn und Kosten des Einzelhandel (Geschäftsgewinn, Verwaltung, Filialmiete usw.)


1.2.5 Wie haben die Unternehmen auf den Fabrikeinsturz in Bangladesch reagiert?



Bei dem Zusammensturz des Rana-Plaza-Gebäudes am 24. April 2013 kamen über 1130 Menschen zu Tode und mehr als 2000 weitere wurden schwer verletzt. Generell gibt es Tausende ähnliche Fabriken in Bangladesch die ohne Baugenehmigung errichtet oder aufgestockt worden sind.  Es ist bekannt das mindestens 28 westliche Firmen dort produzieren ließen, wie zum Beispiel KiK, NKD, C&A, Tchibo, Tesco, Mango, Esprit, Primarkt, Lidl und Aldi. Viele Menschen fordern jetzt, dass die Modeunternehmen für mehr Sicherheit in den Fabriken sorgen. Doch wie reagieren die Unternehmen auf die Katastrophe?

 

  • Einige Firmen sehen die Verantwortung nicht bei sich

    Walmart und Gap, einige der größten Einzelhändler der Welt, weisen die Hauptschuld von sich und macht die sehr spät eintreffende Feuerwehr, die Behörden und die Personen, die die Notausgänge verschlossen hatten, für das Unglück verantwortlich.

    Deshalb machen sich neben der Kampagne für Saubere Kleidung noch 17 weitere internationale Gewerkschaften für das Unterzeichnen des Brandschutz- und Gebäudesicherheitsabkommens stark.

     

  • Über 35 Firmen haben bereits das Sicherheitsabkommen unterschrieben

    Der Druck auf die Unternehmen zeigt Erfolg. Das unterschriebene Abkommen deckt etwa 1000 Fabriken, ungefähr ein Drittel der derzeitigen Fabriken, in Bangladesch ab.

1.2.6 Inwieweit haben sich die Forderungen der Arbeiter in der Zwischenzeit erfüllt?

Forderungen und Kritik

Reaktionen und Maßnahmen

 

 

Mehr Lohn

·         1994 erstmals Mindestlohn in Bangladesch eingeführt

·         2010 nach Protesten Erhöhung des Mindestlohns (von umgerechnet 19€ auf 34€)

 

 

 

höhere Sicherheitsstandards

·         2013 H&M und Inditex wollen bei Brandschutz und anderen Sicherheitsbedingungen in Fabriken, in denen sie produzieren helfen

·         Behörden begannen 2013 in 950 als gefährlich eingestuften Fabriken Sicherheitsstandards durchzusetzen

Verstöße gegen Menschenrechte

                          -----------

 

 

 

Mindestarbeitsbedingungen werden eingefordert

·         2013 ILO und verschiedene Gewerkschaften handeln ein auf fünf Jahre angelegtes Abkommen aus, welches Stärkung der Arbeitsrechte, höhere Gebäudesicherheit, größeren Bandschutz, bessere Ausbildung und finanzielle Unterstützung beinhaltet

·          2013 Beschäftigte der Textilindustrie dürfen ohne Erlaubnis der Arbeitgeber Gewerkschaften gründen

 

 

 

 

 

Fazit: Es gibt einige Beispiele von Forderungen, die zumindest teilweise erfüllt wurden oder Dinge die verbessert wurden und es gibt auch immer mehr Leute, die sich für die Näher/innen einsetzen. Trotzdem muss noch sehr viel passieren, bis es den Leuten wirklich gut geht, sie angemessen bezahlt werden und menschliche Bedingungen an den Arbeitsplätzen herrschen.

Fehlen Ihnen noch Informationen? Haben Sie Fragen an uns? Oder wollen Sie gerne noch einmal etwas vertiefter über ein Teilgebiet Bescheid wissen? 


Kein Problem. Melden Sie sich einfach in unserm Gästebuch!